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APV Graz

Aktivitäten 2004
Herbstexkursion
3. November 2004 bis 4. November 2004
Voith Paper St. Pölten - Hamburger AG Pitten

Voith St. Pölten

Am 3. und 4. November besuchte der APV-Graz im Rahmen der diesjährigen Herbstexkursion den Papiermaschinenhersteller VOITH in St. Pölten.

In St. Pölten befindet sich die erste Auslandstochter des weltweit tätigen Unternehmens. Gegründet wurde dieses Werk vor etwas über 100 Jahren. Zur Zeit werden in diesem Betrieb etwa 934 Mitarbeiter beschäftigt, wobei alleine der Bereich VOITH - Paper 560 Mitarbeiter zählt.

Für die Division Karton- und Verpackungspapiermaschinen befindet sich das Kompetenzzentrum des Konzerns in St. Pölten. Diese Strukturierung, in der einzelne Niederlassungen für die Entwicklung und für den Vertrieb eines speziellen Produktes verantwortlich sind, gibt es noch nicht sehr lange. Deswegen ist auch ein Teil der Forschungsabteilung für Board & Packaging an einem anderen Standorten (Ravensburg mit der Versuchspapiermaschine) beheimatet.

Des weiteren beschäftigt man sich in der Niederlassung St. Pölten auch mit der Entwicklung und der Produktion von Walzen. Erst vor kurzer Zeit konnte eine neue Tieflochbohrmaschine zur Saugwalzenherstellung angeschafft werden.

Ein wichtiger Teil unseres Besuches waren die Vorträge, welche einen umfassenden Einblick in die Aufgaben der Division Karton- und Verpackungspapiermaschinen gaben. Im folgenden sollten nun die einzelnen wesentlich zusammengefasst werden:

- Einleitende Worte zum Standort St. Pölten und die allgemeine Konzernstruktur:
(Andreas Hameter)

- High Performance für Wellpappenrohpapiere:
(Daniel Kotzmaier)

Im allgemeinen ist in Europa ein Trend für immer leichtere Produkte betreffend diese Sorten zu erkennen. Um trotzdem immer die gleichen Mengen produzieren zu können sind die Verpackungspapierhersteller gezwungen die Maschinen schneller zu betreiben. Dadurch sind entscheidende Veränderungen am Maschinenkonzept notwendig. Man verwendet zum Beispiel bereits seit längerer Zeit die Gapformertechnologie, anstelle eines herkömmlichen Langsiebes. Bei den Pressen setzt sich immer mehr eine kompakte Dreinippresse durch, bei sehr schnellen Maschinen überlegt man auch eine Tandemschuhpresse zu verwenden und auch zum Trocknen verwendet man immer öfter eine einreihige Trockenpartie. Die Papiermaschinen werden also den Maschinen für graphische Papiere sehr ähnlich. Generell spielt auch die Verfügbarkeit der Maschinen eine immer größere Rolle. In Europa werden für diese Produkte meistens 100% Altpapier mit schlechter Qualität verwendet, was die Arbeit der Verpackungspapierhersteller nicht unbedingt erleichtert. Ein bemerkenswerter Punkt zu diesem Thema ist auch die Tatsache, dass in Europa in kurzer Zeit etwa 2 Mio. t Liner und Wellenstoff durch Neuinstallationen zusätzlich auf dem Markt stoßen werden.

- High Performance für Karton:
(Manfred Feichtinger)

Die Erhöhung von Kapazitäten für Karton findet hauptsächlich in Asien statt. In Europa werden vorwiegend nur Umbauten von bestehenden Maschinen durchgeführt. Um einen groben Überblick über die Vielfalt der möglichen Sorten zu erhalten wurden uns die wichtigsten Produkte vorgestellt:

- Solid bleached bord: SBB. Diese Sorte ist meist einlagig und wird für hochwertige Verpackungen in einem Flächengewichtsbereich von 180 bis 250 g/m² hergestellt.

- Folding box board: FBB. Auch bekannt als Chromokarton, wird meist 3 lagig hergestellt und wird ebenfalls für hochwertige Verpackungspapiere verwendet. Der Produktionsschwerpunkt dieser Sorten befindet sich in Skandinavien

- Whit line chipboard: WLC. Andere Namen für diese Sorten sind Chromoduplex (Rücken ist dabei grau) und Chromotriplex (weißer Rücken). Die Produkte bestehen meistens aus 4 Lagen, wobei die Innenlage normalerweise aus Altpapier besteht. Der Flächengewichtsbereich liegt in diesem Fall zwischen 200 und 450 g/m².

Die Anforderungen an Karton sind ebenso vielfältig wie die unterschiedlichen Sorten selbst. Generell kann man sagen, dass die gestrichene Oberfläche des Kartons eine hohe Weiße und einen hohen Glanz aufweisen sollte. Sie sollte auch gut bedruckbar sein. Der Rohkarton sollte die erforderlichen Festigkeitseigenschaften erfüllen und auch eine gewisse Mindestglätte aufweisen.

- Optimierung chemischer Systeme:
(Robert Kling)

Erst seit kurzem versucht VOITH als Komplettanbieter auch die chemisch bedingten Vorgänge an der Papiermaschine zu verbessern. Ein wesentlicher Punkt dabei ist der optimale Einsatz von Stärke. Anhand mehrerer Beispiel wurden spezifische Verbesserungen bei unterschiedlichen Sorten dargestellt. Wichtig beim optimalen Stärkeeinsatz ist der richtige Ort der Zugabe. Mit Hilfe neuer Messmethoden und Messsysteme kann man den Prozess auch ganz gut kontrollieren.

- Boost Dryer:
(Christoph Haase)

Der Boost Dryer ist eine ziemlich junge Entwicklung von VOITH. Der Ausgangspunkt für dieses Projekt war die Tatsache, dass man zum Beispiel bei Umbauten nur wenig Platz für die Erweiterung der Trockenpartie hat und man deswegen irgendwann auf Alternativen ausweichen muss. Beim Boost Dryer versucht man gezielt die Trocknungsrate zu erhöhen. Dabei wird die Papierbahn mit einem Druck auf den Trockenzylinder gepresst. Damit erhöht sich der Wärmeübergang zwischen dem mit Dampf beheizten Zylinder und der Papierbahn. Zusätzlich erreicht man mit diesem Verfahren auch die Erhöhung einzelner Festigkeitswerte wie zum Beispiel Reißlänge, SCT oder Berstdruck und andere Eigenschaften. Der Boost Dryer wird zur Zeit in der Versuchspapiermaschine weiter entwickelt. Man erwartet sich, dass man in einem Jahr dieses System als Alternative zu den herkömmlichen Trockenpartien anbieten kann.

- DF - Coater:
(Knut Stichling)

Der DF - Coater (direct fountain) auch bekannt als Curtain Coater wurde in einem Joint Venture von VOITH und IHI entwickelt. Die Technologie dazu ist eigentlich schon länger bei anderen Industriezweigen bekannt. So wird die Schokoglasur bei Schwedenbomben mit einem Curtain Coater erzeugt. Mit dem DF - Coater kann man in der Papierindustrie eine sehr gute, gleichmäßige Abdeckung der Papieroberfläche und eine Verbesserung des Längs - Querprofils erreichen. Eingesetzt wird dieses Verfahren zur Zeit bereits zur Aufbringung von speziellen Streichfarben, wie zum Beispiel beim Thermopapier oder beim NCR - Papier. Man versucht nun diese Technik auch für die Kartonerzeugung einsatzfähig zu machen, wobei man die einfache Bedienung und die hohe Produktivität ausnutzen will.

- Starting up the future:
(Harald Meysel)

Dieser Vortrag handelte von den Vorgängen an einer Papiermaschine während der Montage und der Inbetriebnahme. Um entsprechende Erfolge bei den immer komplexeren Vorgängen erreichen zu können, braucht man immer besser qualifizierte Mitarbeiter. Vor allem bei den Aufgaben während der Inbetriebnahme und der Optimierungsphase nach dem Start up sieht man bei VOITH noch Potential für die Zukunft. Man versucht in speziellen Trainingseinheiten die Maschinencrews an den neuen Anlagen auszubilden.

- After Market Business:
(Johann Schneider)

Das After Market Business ist ein wichtiger Geschäftszweig für VOITH und eine Erleichterung für die Kunden. Die Aufgabe dieser Abteilung sind ziemlich vielfältig. Man bietet hier Technologie Service, Ersatzteilservice, Servicemontagen und Kleinumbauten an. Generell vertreibt man Teile, die für den Betrieb der Papiermaschine unumgänglich sind, oder den Betrieb modernisieren. Als Beispiel sollten hier eine verbesserte Siebschüttelung (genannt DuoShake) oder auch neu entwickelte Dampfköpfe für die Trockenzylinder erwähnt werden.

- SeaLencer:
(Harald Graf-Müller)

Der SeaLencer ist ebenfalls eine interessante Entwicklung von VOITH - Paper. Viele Papiermaschinenbetreiber haben Probleme mit der Lärmentwicklung rund um ihre Anlage. VOITH versucht nun diese Lärmquellen der Reihe nach auszuschalten, wobei man mit der stärksten Quelle, den Saugwalzen, begonnen hat. Eine speziell entwickelte Dichtleiste sorgt in diesem Fall dafür, dass Luft nicht schlagartig zum Vakuum durchschlägt sondern etwas langsamer in die luftleeren Räume eindringt. Für die Entwicklung dieser Technologie errichtete man einen eigenen Prüfstand, mit dem man die Lärmemissionen durch die Saugwalzen gut nachahmen konnte.

- Werksführung:
(Franz Hackl)

Als zweites wichtiges Ereignis ist die Werksführung zu erwähnen. So wie ich staunten viele meiner Kollegen darüber, welchen Aufwand es bedarf um eine Papiermaschine herzustellen.

- Allgemeines über die wirtschaftliche Lage der Karton- und Verpackungsindustrie:
(Rudolf Estermann)

Zum Schluss darf ich mich noch im Namen aller Studenten für die Organisation bei Nicole Schnait und Thomas Genz sowie bei den Vortragenden bedanken. Uns wurden hervorragende Einblicke in die Entwicklung neuer Technologien und die Aufgaben des interessanten Tagesgeschäfts ermöglicht.


Hamburger AG Pitten
Am 4. und 5. November nahm der APV Graz an der österreichischen Papierfachexkursion zum Thema Umbau der Hamburger Pitten PM4 teil.

Im Rahmen des ersten Beitrags "Hamburger Pitten PM4 - die neueste Technologie für Verpackungs- PM's von Voith Paper" erläuterte Adolf Wachter (Voith Paper St. Pölten) die technischen Daten zum Umbau der PM4: das Umbauziel war eine Erhöhung der Produktionskapazität um 60.000 Jahrestonnen und eine Verbesserung der technologischen Werte, v.a. das Querprofil und der SCT. Die PM4 hat eine Breite von 5.080 mm am Roller, erzeugt Wellenstoff und Testliner zwischen 125 und 250 g/m² und ist für eine Konstruktionsgeschwindigkeit von 1.100 m/min ausgelegt. Als Rohstoff wird zu 100 % Altpapier (B12, B19, W52) eingesetzt.

Joachim Bauer (BVG) referierte im Beitrag "Optimierter Abbau von nativer Stärke bei der Erzeugung von Wellpapperohpapieren" über die zwei wichtigsten Abbauverfahren, den kontinuierlichen, enzymatischen und den thermochemischen Abbau (auch APS-Verfahren genannt). Der kontinuierliche, enzymatische Abbau wird auch bei der Firma Hamburger in Pitten angewandt. Im Zuge des Großprojekts PM4 wurden Ende 2003 zwei neue Anlagen installiert, die jeweils PM3 und PM4 versorgen.

Im Vortrag "Mit integrierter Automatisierung erfolgreich in der Globalisierung" von Wolfgang Steffel (Siemens AG) wurden die Vorteile des SIPAPERCIS DCS (Decentralized Control System) vorgestellt. Eine Hardware auf Grundlage der SIMATIC® und eine Softwarelösung auf Basis des Pulp and Paper- Standards bilden eine hierarchische und aufeinander abgestimmte Lösung über die gesamte Prozesskette, vom Holzplatz bis zum Versand und in allen Ebenen der Leittechnik.

Im Beitrag "Neueste Bespannungskonzepte für Verpackungsmaschinen" lieferte Ernst Kerschhofer (HUYCK AUSTRIA) einen Überblick in die Vorteile der neuen HUYPERM - EntwässerungsBELT Technologie: bessere Papierqualität, bessere Bedruckbarkeit, geringe Zweiseitigkeit, höherer Trockengehalt, stabilere Laufeigenschaften und weniger Bahnabrisse.

Im letzten Beitrag sprach Johann Winkler (Hamburger Pitten) über die W. Hamburger-Gruppe, welche hochwertige Wellpapperohpapiere auf Altpapierbasis erzeugt. Zu Beginn lieferte er die wesentlichen Daten zu PM3 und PM4:

    Eckdaten der PM3:
          - Produktion: 115.000 JATO
          - Arbeitsbreite: 2.500 mm
          - max. Produktionsgeschw.: 1.050 m/min
          - Qualitätsleitsystem: Measurex Davinci

    Eckdaten der PM4:
          - Produktion: 260.000 JATO
          - Arbeitsbreite: 5.000 mm
          - max. Produktionsgeschw.: 1.000 m/min
          - Qualitätsleitsystem: Measurex open

    Anschließend berichtete er über die Erweiterung der Energieanlage:
          - Kosten (inkl. Infrastruktur): 4 Mio. Euro

    Dampfverbrauch:
          - PM4: 50-60 t/h
          - PM3: 30-40t/h
          - Rest: 5-10t/h

Den Abschluss dieses eindrucksvollen Tages bildete ein gemeinsames Abendessen aller Teilnehmer.



Am 2. Tag der Österreichischen Papierfachexkursion stand der Besuch der W. Hamburger AG in Pitten. Nachdem alle Teilnehmer der Tagung in einzelne Gruppen aufgeteilt wurden, wurde das Werk im Allgemeinen kurz vorgestellt.

Das Werk in Pitten betreibt zwei Papiermaschinen (PM 3 und PM 4).

    1) PM 3:
          - Dörries Maschine
          - Wellenpapiere: 105-150 g/m2
          - Hülsenwickelkarton: 150-250 g/m2
          - Geschwindigkeitsbereich: max. 1050 m/min
          - Durchschnittliche Tagesproduktion: 325 t

    2) PM 4
          - Voith Maschine
          - 90% Deckenpapiere (Austroliner, Austroduplex ), 10% Wellenpapier
          - Gewichtsbereich: 120-250 g/m2
          - Geschwindigkeitsbereich: max. 1000 m/min
          - Durchschnittliche Tagesproduktion: 721 t (geplant)

Die Stromversorgung wird zum Teil vom Werk selbst gewährleistet. Momentan werden 4 Kessel betrieben, Kessel 2 wurde stillgelegt. Auch dem Umweltschutz wird in Form von einer hauseigenen Kläranlage (ab Juli 1990) genüge getan.

Nach dieser kurzen Einführung ging man zum eigentlichen Höhepunkt der Papierfachexkursion über. Es wurde die Anfang 2004 von Voith Paper umgebaute PM 4 begutachtet.
Voith Paper hatte gemeinsamen mit dem Team der W. Hamburger AG Anfang 2004 den Umbau der PM 4 begonnen und konnte nach nur 37 Stillstandstagen am 8. Februar 2004 die Maschine wieder in Betrieb nehmen. Das Umbauziel war eine Erhöhung der Produktionskapazität um 60.000 Jahrestonnen und eine Verbesserung der technologischen Werte.

    Genaue Daten der PM 4:
          - Breite: 5.080 mm am Roller
          - Erzeugt Wellenstoff und Testliner (125-250 g/m2)
          - Rohstoff: 100% Altpapier ( B12, B19, W52)
          - Siebpartie: Langsieb (Decke), aufgesetzter Gapformer (Basislage)
          - Pressenpartie: DuoCentriNipcoFlex Presse mit NipcoFlex Schuhpresse im 3. Nip
          - Nachtrockenpartie: komplett neu; einreihige Gruppe

Nach der Führung wurden alle Teilnehmer in einer äußerst interessanten Location (Rollenlager) zu abschließenden Gesprächen bei Gulasch und Bier eingeladen. Abschließend bleibt mir nur im Namen aller Teilnehmer des APV zu betonen, dass dies eine äußerst gelungene Papierfachexkursion war.

 



Autor: Johannes Kritzinger (Voith), Julia Schlagintweit & Rainer Felsner (Hamburger)


 
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